Warum wird man im Alter langsam(er)? Und was kann man dagegen tun?

1) Reflexe:

Der Alterungsprozess ist durch strukturelle Veränderungen in den neuronalen und muskulären Anteilen des Nerv-Muskel-Systems geprägt, die zur Reflexveränderung und zu einem reduzierten Schnellkraftniveau führen. Als Ursache für die verschlechterte Schnellkraftfähigkeit werden eine verlangsamte Bewegung einzelner Muskelfasern sowie ein verändertes Rekrutierungs- und Frequenzierungsverhalten motorischer Einheiten diskutiert.

2) Mitbewegungen:

Neben diesen altersbedingten Modifikationen konnte eine erhöhte Mitbewegung agonistischer und antagonistischer Muskeln v.a. bei dynamischem Bewegungsvollzug beobachtet werden. Das modifizierte Reflexverhalten zeigt sich bei der Anwendung von Störreizen in verlängerten Verzögerungszeiten und reduzierten Reflexaktivitäten. Ersteres wird primär auf Myelinverlust und den Verlust sensorischer Neurone zurückgeführt.

3) Sensomotorik:

Im sensomotorischen System finden altersbedingte degenerative Prozesse statt, die sich negativ auf die sensorische Reizaufnahme, deren Verarbeitung im zentralen Nervensystem sowie die daraus resultierende neuromuskuläre Antwort auswirken. Die Verbindung zwischen afferent sensorischen und efferent motorischen Funktionsabläufen ist im Alter aufgrund struktureller und inhibitorischer Prozesse (Desensibilisierung von Muskelspindeln, Reduktion sensorischer Neurone, Veränderungen der präsynaptischen Hemmung, Reduktion dopaminerger Neurone, Verlust von Inter- und Motoneuronen, Reduktion von Muskelfasern) stark beeinträchtigt. Infolgedessen sind massive Einschränkungen der Kraftfähigkeiten und des Gleichgewichtsvermögens zu beobachten. Diese Verschlechterung der funktionellen Kapazität älterer Menschen äußert sich in einer erhöhten Sturzgefahr.

4) Stürze und ihre Kosten:

Es ist bekannt dass ungefähr 30% aller über 65-jährigen mindestens einmal im Jahr stürzen. Bei den 80- bis 89-jährigen steigt die jährliche Sturzquote auf 45%; bei den 90- bis 99-jährigen auf 56%). In 5% der Stürze kommt es zu Brüchen, während weitere 10-15% andere, z.T. schwere Verletzungen zur Folge haben. In 1-2% der Fälle führen Stürze zu Oberschenkelhalsfrakturen. Insbesondere Oberschenkelhalsfrakturen stellen eine hohe finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem des Staates dar. Allein die Kosten für die Akutversorgung und Rehabilitation einer typischen Sturzverletzung wie die der Oberschenkelhalsfraktur belaufen sich auf ca. 15.000 EUR pro Person Unter den vielen sturzverursachenden Faktoren sind insbesondere die muskuläre Schwäche, Abnormalitäten im Gangbild und Defizite im sensomotorischen System zu nennen.

Dabei sind aber nur die Kosten für den Staat/Allgemeinheit erwähnt. Unerwähnt bleiben in all den Studien die persönlichen Nachteile der Verletzten (Schmerzen, Vereinsamung, Verlust der Selbstständigkeit, Angewiesenheit auf andere, Kosten für Hilfspersonal oder Taxi).

5) Forschung:

Seit einigen Jahren hat sich der Forschungsschwerpunkt im Bereich Kraftverhalten im Alterungsvorgang verschoben. Altersbedingte Veränderungen des Maximalkraftniveaus wurden bereits in zahlreichen Studien abgehandelt und in einem Überblicksartikel zusammenfassend beschrieben. Neuere wissenschaftliche Studien hingegen haben sich intensiv mit der Problematik altersbedingter Modifikationen im explosiven Kraftverhalten auseinandergesetzt. Aus diesen Untersuchungen liegen einheitliche Ergebnisse vor, die zeigen, dass sich altersbedingte degenerative Prozesse im neuromuskulären System negativ auf das Schnellkraftverhalten auswirken. Einige Autoren vertreten die Meinung, dass sich die Fähigkeit der schnellen Kraftentwicklung im Alternsgang stärker reduziert als das Maximalkraftniveau.

6) Vorbeugen/Training:

Erste Studien deuten darauf hin, dass sich sowohl die Schnellkraftfähigkeit als auch die reflektorische Ansteuerung von Muskeln der unteren Extremität durch sensomotorisches Training im Alter verbessern lassen. Diese Trainingsform wende ich daher als Alternative zum klassischen Krafttraining als sturzpräventive Maßnahme in meinen Rücken- und Seniorenkursen an. Als weitere Konsequenz führe ich auch Schnellkraftübungen – ganz besonders in den Seniorengruppen – ein.

Wenn Sie eine Trainingsberatung brauchen, unterstütze ich Sie gerne dabei.
Rufen Sie an und vereinbaren Sie einen Termin!

Quelle: Granacher U, Gollhofer A; Auswirkungen des Alterns auf die Schnellkraftfähigkeit und das Reflexverhalten; Institut für Sport und Sportwissenschaft, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg i. Br.

Vélemény, hozzászólás?

Az email címet nem tesszük közzé.